Der Dom St. Marien zu Aachen, kurz der Aachener Dom, ist die Bischofskirche des Bistums Aachen und das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt Aachen. Patronin ist die Gottesmutter Maria.
Kirchendaten
- Konfession: römisch-katholisch
- Diözese: Bistum Aachen
- Schutzpatron: Maria
Geschichte
- Baubeginn (Jahr): 795
- Einweihung: 17.07.802
- Baustil: Romantik, Gotik
- Bautyp: Sakralbau
Der Dom besteht aus mehreren Teilbauten, deren jeweilige Entstehungszeiten die Epoche des Frühmittelalters bis hin zur späten Neuzeit umfassen. Das karolingische Oktogon, ehemals die Pfalzkapelle der Aachener Königspfalz, ist das bedeutendste architektonische Beispiel für die karolingische Renaissance. Karl der Große ließ den Zentralbau und den Westbau gegen Ende des achten Jahrhunderts als Kern seiner Pfalzanlage errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte um 795, die Fertigstellung um 803. Die Kirchweihe wird für den 17. Juli 802 angenommen (nicht gesichert). Die Reliquienankunft fand in den beiden Jahren vorher statt. Die postulierte Weihe 805 durch Papst Leo III. entstammt einer Legende aus dem 14. Jahrhundert. Heute noch wird die Kirchweihe am 17. Juli, jedoch seit 1803 das Patronatsfest des Domes am 15. August zu Mariä Himmelfahrt gefeiert. Die karolingische Pfalzkirche ist umgeben von mehreren Anbauten aus späterer Zeit, darunter die gotische Chorhalle im Osten und der vielgestaltige Kapellenkranz.
Der über 1200-jährige Aachener Dom ist ein heterogen aufgebautes, durch viele Stilepochen beeinflusstes Bauwerk, das durch zahlreiche Überformungen, Niederlegungen und Anbauten gekennzeichnet ist. Die Funktion des Kirchenbaus veränderte sich im Laufe der Geschichte von der einst karolingischen Pfalzkapelle über die Münsterkirche des Marienstiftes zum Bischofssitz der Gegenwart. Als Mausoleum Karls des Großen war die Stiftskirche von 936 bis 1531 Krönungsort römisch-deutscher Könige. Seit dem 14. Jahrhundert entwickelte sich Aachen zu einem bedeutenden Wallfahrtsort mit der alle sieben Jahre stattfindenden Heiligtumsfahrt. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Aachener Dom – wenn auch nur kurzfristig – Kathedrale, eine Funktion, die die Kirche seit 1930 wieder dauerhaft erfüllt.
1978 wurde die Kathedrale als eine der weltweit ersten acht und erstes deutsches Kulturdenkmal in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Oktogon
Zur Bauzeit war ein Zentralbau in dieser Dimension im Norden Europas einzigartig. Die Oktogonhöhe beträgt 31,40 m, die Fundamenttiefe bis zu 5,80 m, und die Mauerdicke 1,75 m. Die Säulenhöhen des Oktogons betragen oben 3,20 m und in der unteren Reihe 3,70 m. Die Frage, welches geometrische Konzept und Basismaß dem Aufbau der Kapelle zu Grunde liegen, schien lange nicht eindeutig geklärt. Studien früherer Dombaumeister gingen zumeist von den Einheiten Drusianischer Fuß oder Römischer Fuß aus. Diese Maße erfordern komplexe Theorien, um die tatsächlichen Abmessungen zu erklären. Die Bauforscherin Ulrike Heckner legte 2012 eine Theorie vor, die auf einem neuen, bislang unbekannten Grundmaß von 32,24 cm beruht, dem sogenannten Karolingischen Fuß, auf den sich alle geometrischen Verhältnisse der Pfalzkapelle zurückführen lassen sollen. In Anlehnung an den ähnlich großen Pariser Königsfuß wird dieses Maß auch als „Aachener Königsfuß“ bezeichnet.[41] Das Bauraster, von dem sich alle Baumaße ableiten lassen, beträgt 6 Fuß. Das Maß des Oktogons beträgt demnach 48 Fuß (1 × 8 × 6 Fuß), Höhe und Breite 96 Fuß (2 × 8 × 6 Fuß) und die Gesamtlänge mit Westwerk 144 Fuß (3 × 8 × 6 Fuß). Die Proportionen römischer Kuppelbauten werden in Aachen perfektioniert. Geometrische Idealverhältnisse – 1:1 für das Verhältnis Breite zu Höhe des Zentralbaus und 1:2 für das Verhältnis Breite zu Höhe des Oktogons – kennzeichnen das Aachener karolingische Bauwerk. Damit orientieren sich Zahlen und Maße sowie die Harmonie des Gebäudes an dem Himmlischen Jerusalem:
Die himmlische Stadt Jerusalem war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit. Der Engel maß die Stadt mit dem Messstab; ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich.